„Wie stirbt man einen guten Tod?“, fragt

Dr. Peter Fenwick in seinem aktuellen Buch „Die Kunst des Sterbens“. Viele Menschen bereiten sich auf Events wie Geburtstag oder Hochzeit vor, doch nur wenige auf ihr eigenes Sterben und Ableben. Viele erstellen kein Testament und bemühen sich auch nicht, alte Beziehungen zu pflegen und kritische Familienbande zu reaktivieren. Nicht einmal der Dachboden wird aufgeräumt, um es den Erben leichter zu machen. Das alles geschieht (oder eben auch nicht), obwohl wir alle wissen, dass jedes Leben auf der Erde einmal zu Ende geht. Mit seinem Werk ruft Fenwick dazu auf, sich bereits jetzt mit dem Tod auseinanderzusetzen, und zwar am besten lange, bevor er vor der Tür steht.

Die Anfänge

Es gab schon einmal Texte mit dem Titel Ars Moriendi (übersetzt: „Die Kunst des Sterbens“). Diese erschienen in den Jahren 1415 und 1450. Die zweite Ausgabe beinhaltet zahlreiche Illustrationen beziehungsweise Holzschnitten. Diese Texte, in denen es um ein gutes Sterben geht, waren eine Reaktion auf die großen Pestepidemien im Mittelalter, der Millionen Menschen, rund zwei Drittel der Bevölkerung, zum Opfer fielen. Das Werk erfuhr eine große Resonanz, wurde übersetzt und somit in vielen Sprachen gelesen. Es fußt auf den christlichen Lehren. Insofern ist hier der Glaube ein wichtiges Merkmal. Den Menschen wurde gezeigt, dass man ehrenvoll und im eigentlichen Sinne gut sterben kann und Ängste daher überflüssig sind.

Die Ars Moriendi des 21. Jahrhunderts

Inzwischen schreiben wir das 21. Jahrhundert und der Tod ist schon seit langer Zeit aus unseren Häusern verbannt. Viele Menschen sterben im Krankenhaus oder Pflegeheim, den wenigsten ist dies im Kreise ihrer Familie und in ihrem geliebten Zuhause vergönnt.

Die erwähnten Texte bildeten eine erste Grundlage für alle folgenden Werke mit den Themen Sterben und Tod. Nach Fenwicks Ansicht brauchen wir allerdings unbedingt eine neue Ars Moriendi für unsere moderne Zeit. Wie kann man den heute Lebenden erzählen, dass der Tod keinen Schrecken haben sollte und dass man sich auf ihn innerlich einstellen kann. Er erzählt in diesem Buch unter anderem von den Erfahrungen mit Menschen, die einen Nahtod erlebt haben. Für diese, die aus dem Zwischenraum Nahtod wiedergekehrt sind, hat der Tod seine negativen Aspekte verloren. Im Gegenteil. Nach ihren eigenen Angaben haben sie sich, losgelöst von ihren Körpern, ausgesprochen wohlgefühlt.

Im Übrigen enthalten die alten Texte auch wertvolle Angaben für Angehörige und Freunde, wie sie sich an einem Sterbebett verhalten und mit dem Sterbenden reden sollen. Nicht zuletzt erzählen sie davon, dass niemand sich vor dem Tod fürchten muss.

Die Wahrheiten in Glaube und Esoterik

Wie steht es dabei um die Themen Glaube und Esoterik? Wer gläubig ist, hat es einfacher, daran gibt es keinen Zweifel. Für ihn geht die Seele, sofern ein gutes Leben geführt wurde, direkt in das göttliche Jenseits ein. Die anderen leben entweder mit der Angst vor ihrem letzten Tag oder sie stehen dem Ganzen distanziert gegenüber und warten ab. Etliche Personen sehen Nahtodeserfahrungen und verwandte Themen als esoterisches Gedankengut an und grenzen dieses Feld scharf gegen den Glauben ab. Sie haben allerdings auch nicht mit den Sterbenden gesprochen, so wie es Fenwick und seine Mitstreiter durchgeführt haben. Die Erlebnisse, die Sterbende haben, sind höchst aufschlussreich und lassen vermuten, dass es einerseits nach dem Tod weitergeht und dieser andererseits keine Schrecken hat. Im Übrigen wird in beiden Literaturkreisen darauf verwiesen, dass man sich vorbereiten solle auf den letzten Tag.

Gelassenheit üben

Die Medizin ist heute weiter denn je und vermag es nicht nur, etliche Krankheiten zu heilen oder zumindest zu lindern. Sie nimmt die Schmerzen und sorgt so, wenn der Sterbetag gekommen ist, für ein sanftes Ausklingen des Lebens. Leider gibt sie aber keine Antworten auf die Frage, wie man auf eine gute Weise sterben soll. Daher stehen wir, ob gläubig oder nicht, dem Tod weiterhin sehr skeptisch gegenüber. Nur wenige Menschen bringen die Gelassenheit auf, die beispielsweise heilige Männer besitzen: Sie räumen morgens ihren Raum auf und sind jeden Tag bereit, zu gehen. Ganz anders ist es bei den meisten anderen: Sie beruhigen sich damit, dass sie, wenn es so weit ist, schon damit zurechtkommen werden. Aber weit gefehlt. Derjenige, der sich vorbereitet hat, geht leichter, denn seine irdischen Dinge sind geordnet. Fenwicks Buch macht Mut, damit heute noch anzufangen

Über den Autor

Dr. Peter Fenwick ist ein britischer Neuropsychiater und Neurophysiologe, der viele Jahre an diversen Krankenhäusern gearbeitet hat. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem in dem Bereich Nahtod. Er und seine Mitstreiter erklärten 2003 in einem Dokumentarfilm der BBC, dass der Verstand nach dem Tod weiter existieren könne. Mancher mag es Seele oder Verstand nennen. Interessant daran ist, dass Glaubens- und Esoterikwerke hier am gleichen Strang ziehen.

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