Nahtod Haluzinationen

Sind Nahtoderfahrungen real oder eine Form von Halluzinationen? Was passiert überhaupt mit uns, wenn wir sterben? Der renommierte Naturwissenschaftler und Neuropsychiater Peter Fenwick ist ein international anerkannter Fachmann, der seit vielen Jahren Nahtoderfahrungen erforscht. Sein neuestes Buch berichtet über „Die Kunst des Sterbens“ und fußt auf zahllosen Gesprächen und Studien zu diesem Thema.

31.05.2021. Eine Nahtoderfahrung sorgt bei den Betroffenen meist dafür, dass sie vor dem Tod weniger oder keine Ängste mehr haben. Peter Fenwick konnte nicht nur mit Menschen sprechen, die diese Erfahrung selbst gemacht haben. Er bemühte sich auch um Gespräche mit dem Pflegepersonal im Hospiz. Um besser vergleichen zu können, besuchten Fenwick und sein Team Hospize in Südengland und Rotterdam. Besonders interessant dabei ist, dass die Ärzteschaft das Thema mehr oder weniger ignoriert oder ihm mehr als kritisch gegenübersteht. Sie hat eine feste wissenschaftliche Vorstellung von Sterben und Tod und lehnt alles andere im Vorfeld ab. Aus diesem Grund nehmen die Mediziner die Erlebnisse und Schilderungen von Menschen, die Nahtoderfahrungen gemacht haben, nicht ernst. Das gilt auch für die Berichte des Krankenhauspersonals, wenn sie darüber sprechen, was dem Patienten geschehen ist. Das Ganze gipfelt am Ende in der Erkenntnis: „So etwas kommt bei uns nicht vor.“ Erst seit einiger Zeit verändern sich ganz allmählich die Sichtweisen, berichtet Peter Fenwick.

Bewusstseinsforschung und die Forschung zum Themenbereich Sterben und Tod liegen nahe beieinander. Der Sterbeprozess besitzt mehrere Phasen und stückweise müssen sich die Angehörigen vom Patienten verabschieden. Die Art, wie wir sterben, gehört ebenfalls zu Fenwicks Untersuchungen. Dabei ist herausgekommen, dass wir offenbar würdevoller und leichter gehen, wenn wir vorher gut gelebt haben. Gut zu leben bedeutet in diesem Sinne, im Einklang mit sich selbst und seinen Wertvorstellungen zu sprechen und zu handeln. Niemand kann sich vor dem Tod drücken. Daher ist es wichtig, rechtzeitig die Weichen für ein ebenso kluges wie sinnvolles Leben zu legen.

Nahtoderfahrungen und Halluzinationen

Der Tod, so lässt uns Fenwick wissen, ist nichts, vor dem man Angst haben muss. Viele Menschen, die fast gestorben wären, berichten davon, dass sie über ihrem Körper schwebten, dass es einen Tunnel und an seinem Ende ein helles Licht gebe. Es ist ausgesprochen faszinierend, dass die Betroffenen zu großen Teilen dieselben Erlebnisse gehabt haben. Auch berichten fast alle, dass das Aussteigen aus dem Körper nicht als schmerzhaft oder schlimm erlebt wird, eher ist das Gegenteil der Fall.

Am besten lassen sich diese Phänomene an Patienten mit Herzstillstand untersuchen, weil medizinisch recht klar ist, was dann mit dem Gehirn (völlig abgeschaltet) und dem Blutkreislauf passiert. Doch eine Nahtoderfahrung kann unzählige weitere Ursachen haben. Fenwick kann aus den Erfahrungen anderer Menschen berichten, dass Schwangere, Schwerkranke oder auch vollkommen verängstigte Patienten diese Phänomene selbst erlebt haben. Nach Fenwicks Meinung geht es dabei stets um eine Veränderung des Blutkreislaufs, die Einfluss auf die Gehirnfunktion und das Bewusstsein hat.  Unter dieser Maxime werden die Erlebnisse besser erklärbar. Man wird ihnen nicht gerecht, wenn man sie nur als inneren Ablauf kennzeichnet, denn auch Halluzinationen, mit denen man sie gern gleichsetzt, kommen aus dem eigenen Körper, sind also innere Vorgänge. Es sagt daher wenig über das Wesen von Nahtodeserfahrungen aus, wenn man diese beiden gleichsetzt.

Das Wissen um die Vorgänge, die mit Sterben und Tod zusammenhängen, ist auch für die Angehörigen wichtig. Sie können einen Sterbenden leichter loslassen und sind daher viel besser darauf eingestellt, ihn bis zum Schluss zu begleiten. Auch die Hospizhelfer, die für die Sterbenden da sind, finden auf diese Weise leichter die richtigen Worte, um Angehörigen und Sterbenden Mut zuzusprechen. Es ist sehr tröstlich zu wissen, dass die Seele, der Verstand oder wie immer man diese nicht stoffliche Existenz nennen mag, nach dem Tod offenbar weiterlebt.

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